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Happy new year!



Mal schauen, was 2026 uns so bringen und vor allem, wo es uns hinbringen wird. Als wir diese Webseite irgendwann im Sommer ins Leben gerufen haben, da ahnten wir noch nicht, dass der Untertitel "Von Plänen, bei Ebbe geschrieben in den Sand" sich in den nächsten Wochen bereits das ein ums andere Mal bewahrheiten würde. Denn so vage unsere Pläne auch waren, wir mussten einen nach dem anderen über Bord werfen.


Geplant war einmal, den Rio Dulce - und damit Guatemala - am 4. Dezember zu verlassen. Warum so ein konkretes Datum? Ganz einfach. Den Fluss trennt vom offenen Meer eine Sandbank, die die meisten Segelboote nur passieren können, wenn Fischer das Boot krängen, indem sie den Mast am Fall zur Seite ziehen. Da wir nur 1,40 Meter Tiefgang haben, hatten wir zumindest bei der Einfahrt im Juni keinerlei Probleme und sind geradewegs über die Sandbank gefahren. Unsere südafrikanischen Freunde mit ihrem Katamaran, der 1,60 Meter Tiefgang hat, haben es gerade noch so geschafft - mit einer kleinen Grund- bzw. Sandberührung. Damals hatten wir eine Springtide genutzt, um einen möglichst hohen Wasserstand zu nutzen. Und eine solche Tide war auch für den 4. Dezember vorhergesagt.


Doch dann kam alles anders. Da unsere Freunde zu Weihnachten Besuch von ihrem Sohn bekamen, verschoben wir die Abreise. Und das war gut so. Denn die Dilly-Dally, die wir eigentlich nur für 8 Tage an Land heben wollten, stand am Ende acht Wochen auf dem Trockenen. Erst kurz vor Weihnachten waren wir wieder im Wasser. Der neue Abfahrtstermin aus der Monkey Bay Marina sollte nun der 26. Dezember sein, um am 27. den Rio Dulce zu verlassen. Das Wetter - oder konkreter: der Wind - sah gut aus. Denn die Bay Islands liegen im Osten und von dort weht im Normalfall ein kräftiger Passatwind. Wollen wir nicht gegen Wind, Welle und den einsetzenden Golfstrom anbolzen, müssen wir ein Wetterfenster abpassen, in dem der Wind auf Norden dreht. Und genau das sollte anfangs der Fall sein.



Doch wieder mal kam alles anders. Für die anvisierte Fahrt zu den Bay Islands vor Honduras wurden plötzlich schwere Gewitter angesagt. Und wenn wir eines sicherlich nicht wollen, dann die ersten 100 Seemeilen auf dem Atlantik durch Blitz und Donner zu segeln. Da haben wir einfach Schiss.


Als die Gewitterfront dann durchgezogen war, verzögerte sich die Abreise noch einmal, da Tracey von unserem Buddyboot "Intle Breeze" plötzlich Symtome von Dengue-Fieber zeigte: hohes Fieber, Erbrechen, Kopf- und Gliederschmerzen und Blutungen im Rachen. Ein Klinikbesuch aber brachte Entwarnung: Der Bluttest zeigte "nur" eine bakerielle Infektion.


Jetzt aber mussten wir uns beeilen, denn das Hochwasser, auf das die Intle Breeze angewiesen ist, würde schon bad wieder sinken. Und es gab noch ein Problem. An Silvester und Neujahr würde ein Auschecken unmöglich sein, da der Zoll an diesen Tagen nicht arbeitet. Der Plan war nun, am 29. Dezember die Monkey Bay Marina zu verlassen, noch eine Nacht im Rio Dulce zu ankern, um von dort aus am Morgen mit einem Wassertaxi zum Zoll nach Livingstone zu fahren und den Papierkram zu erledigen und mit dem Nachmittagshochwasser über die Sandbank zu rutschen.


So weit, so gut. Doch wieder mal verzögerte sich die Abfahrt - wenn auch nur um ein paar Stunden. Der gerade erst reparierte Generator auf der Intle Breeze streikte. Also musste noch einmal ein Mechaniker her. Stoßgebete gingen gen Himmel, dass nicht ein Ersatzteil benötigt wird, das erst bestellt werden muss. Denn das würde mindestens eine weitere Woche kosten. Und als Buddyboot würden wir natürlich warten.


Mit ein paar Stunden Verspätung sind wir dann endlich aufgebrochen. Zwölf entspannte Seemeilen waren es bis zu unserem Ankerplatz, die allerdings alles andere als entspannt waren. Denn schon nach wenigen Minuten meldete sich der Autopilot mit einem Alarm: "Antrieb gestoppt!" Und je länger wir unterwegs waren, umso öfter ging der "wichtigste Mann an Bord" in den Streik. Manchmal mehrmals pro Minute.


Keine Frage: Mit einem defekten Autopiloten würden wir den Rio Dulce nicht verlassen. Ob wir die Möglichkeit zu einer Reparatur in Honduras hätten? Wir wissen es nicht, da wir noch nie da waren. Aber knapp 500 Seemeilen nach Kuba ohne Steuerhilfe wollten wir sicherlich nicht in Angriff nehmen - vor allem, da es auf Kuba ganz sicher keine Ersatzteile gibt.


Aber wir hatten Glück im Unglück. In der Ankerbucht, die wir ansteuerten, lebt ein kanadischer Elektriker, der sogar ein zertifizierter Raymarine-Tüftler ist. Wir schrieben ihn an - und tatsächlich hat er Zeit. Gleich am nächsten Morgen sollten wir an seinen Steg kommen. Es wird ein Rennen mit der Zeit. Denn eigentlich müssten wir spätestens am Mittag unsere Pässe beim Zoll einreichen, wollen wir noch vor Silvester den Rio verlassen und Neujahr bereits in Honduras sein.


Wo wir letztlich Silvester gefeiert haben und wie, dazu dann mehr im nächsten Beitrag. Nur so viel: Nicht da, wo wir eigentlich hofften zu sein.



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beim segeln 2.HEIC

Über mich

Jens Brambusch, Jahrgang 1972, ist studierter Islamwissenschaftler und arbeitete viele Jahre als Reporter  bei der Financial Times Deutschland (FTD) und dem Wirtschaftsmagazin Capital . Ausstieg 2018. Seitdem Buchautor und freier Journalist. Schreibt noch gelegentlich für Magazine wie Stern, Spiegel oder Capital, regelmäßig für das Wassersportmagazin Float. 

 

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