Update zu unserer Spendenaktion auf Kuba
- Jens Brambusch
- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Alles begann mit einem Sack Reis. Und Bohnen. Es war eine spontane Aktion gleich zu Beginn unseres Aufenthaltes in Cienfuegos. Wir waren bei Yodanna eingeladen und sie erzählte davon, wie hart derzeit das Leben für die meisten Kubaner auf Kuba ist. Wir waren gerührt, dass sie nach dem Essen die Reste nicht für den nächsten Tag aufbewahrte, sondern sofort zu ihren Nachbarn brachte. Wir sahen einen alten Mann, der in einem halb zerfallenen Haus lebt, und unendlich dankbar war für eine warme Mahlzeit. Yodanna erzählte, dass die meisten Rentner nur 1000 bis 1200 Peso im Monat bekommen. Umgerechnet sind das etwa 1,70 Euro beim gegenwärtigen Wechselkurs auf der Straße.
Und dann zeigte sie uns ihr Rationierungsheft, das Libreta. Jeder Kubaner hat Anspruch auf eine vom Staat festgelegte Menge an Grundnahrungsmitteln zu sehr stark subventionierten Preisen. Es gibt nur ein Problem: Der Warenkorb wurde in den vergangenen Jahren immer kleiner und seit einigen Wochen haben die Bodegas, die Geschäfte in Yodannas Nachbarschaft, die die Rationen austeilen, überhaupt keine Ware mehr bekommen. So beschlossen wir einen Zentner Reis und einen Zentner Bohnen mit Yodannas Hilfe zu kaufen und in ihrer Nachbarschaft zu verteilen. Davon berichteten wir in einem Video.
Kaum war das Video online, meldete sich bereits ein Segler bei uns, den wir vergangenes Jahr in Cienfuegos kennengelernt hatten. Er wolle auch etwa spenden, ob wir vielleicht noch einmal Reis und Bohnen kaufen könnten, fragte Ralf. Und er war nicht der einzige. Auch andere schrieben in den Kommentaren, sie würden gerne helfen. Binnen kurzer Zeit kamen mehrere hundert Euro zusammen, weshalb es nicht bei Reis und Bohnen blieb. Yodanna sprach mittlerweile mit der Ärztin in ihrem Viertel und die gab uns eine Liste mit besonders Hilfsbedürftigen. Alten, Kranken und Familien mit kleinen Kindern.
Eine Woche düsten wir mit Yodanna von Geschäft zu Geschäft, um Waren zu kaufen. Und das ist auf Kuba eine Herausforderung. Zwar gibt es Waren, vor allem in den Supermärkten, die vom Staat betrieben werden und in denen mit Dollar gezahlt werden muss, aber sie liegen preislich über dem europäischen Niveau. Kaum ein Kubaner, der nicht von Verwandten aus dem Ausland unterstützt wird, kann sich das leisten. Yodanna führte uns zu privaten Geschäften, um einerseits die Privatwirtschaft zu unterstützen, andererseits um günstiger einzukaufen. Doch das erinnert an eine Schnitzeljagd. Wo es gestern noch Zucker gab, herrscht heute gähnende Leere.
Nach mehreren Tagen hatten wir aber genügend Lebens- und Hygieneartikel beisammen, um mehr als 60 Menschen glücklich zu machen. Wir hatten Reis und Bohnen gekauft, Tomatenmark, Brühwürfel, die auf Kuba sehr beliebt und teuer sind, Seife und Waschmittel, Windeln für Familien mit kleinen Kindern, Öl und Pasta, dazu Zwiebeln und Knoblauch vom Wochenmarkt. Die größte Freude konnten wir den Menschen aber mit Hähnchen und Zucker bereiten. Mittlerweile war die Spendensumme auf über 1000 Euro angewachsen - und ständig kamen neue Spender dazu.
Jetzt standen wir vor einem neuen Problem. Wir haben nicht unendlich viel Bargeld an Bord. Das aber brauchen wir, um einen guten Wechselkurs zu bekommen. Allerdings erfuhren wir von einer Bank, bei der man mit der Kreditkarte Peso abheben kann - und das zu einem halbwegs akzeptablen Wechselkurs. Doch auch hier nicht beliebig viel. Das Limit liegt bei knapp 170 Euro pro Tag. Und der Aufwand ist immens. Notgedrungen kauften wir also vermehrt bei den Dollarläden ein, wo, sofern es gerade mal Strom gibt, man mit Karte bezahlen kann.
Mittlerweile haben wir vier Mal Care-Pakete verteilt, rund 150 Menschen erreicht. Die Reaktionen waren überwältigend. Wir haben sie in Videos festgehalten. Und mit jedem Video kamen mehr Spenden. Insgesamt haben uns 5290 Euro erreicht. Wahnsinn!
Da die Hurrikansaison naht, müssen wir aber Cienfuegos bald verlassen. Wir haben die Dilly-Dally mittlerweile gut aufgestockt, da wir auf dem Weg Marea de Portillo anlaufen werden, einen kleinen Fischerort, den vergangenes Jahr Hurrikan Melissa verwüstet hat. Dort ist die Lage noch viel schlimmer als in den Städten. Wir haben einige Zentner an Nahrungsmitteln dabei, dazu Hygieneartikel. Mehr können wir leider nicht besorgen und schon gar nicht laden. Und immer ist noch sehr viel Geld über.
Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, für das verbliebene Geld einmal im Monat Waren bei einem Online-Supermarkt auf Kuba zu bestellen. Er wurde eingerichtet, damit Exilkubaner ihren Familien vor Ort Waren zukommen lassen zu können. Die Waren sind nicht günstig, aber die Lieferung klappt. Wir haben bereits einen Testkauf gemacht. Die Idee ist, einmal im Monat für 30 Familien dort einzukaufen. Die Waren werden an Yodanna geschickt, die sie dann an die Hilfsbedürftigsten verteilt. Vielen Dank deshalb an Yodanna, denn das Auf- und Verteilen kostet sie wenigstens einen bis zwei Arbeitstage, die sie opfert.
Wir hoffen, dass diese Lösung für alle Spender okay ist, aber sie erscheint uns als die derzeit einzig praktikable. So können wir sicherstellen, dass zumindest einige Familien für die kommenden sechs Monate regelmäßig eine Extraportion Essen bekommen. Die Spendengelder reichen noch für rund ein halbes Jahr.
Wer für diese Aktion noch etwas beisteuern will, der kann uns gerne kontaktieren, am besten per Mail. Die Adresse lautet jens.brambusch@gmail.com.
Unsere Bankdaten lauten:
DE19 5001 0517 5416 8559 22
BIC: INGDDEFFXXX
Name: Jens Brambusch
Verwendungszweck: Kuba



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