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Unsere Bank boykottiert die Spendenaktion


Unsere kleine Spendenaktion in Cienfuegos hat große Wirkung gezeigt. Und dafür erst einmal ein riesiges Dankeschön an all die Spender, ohne die wir viele Kubaner nicht hätten glücklich machen können. Auch, wenn es natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, nicht mehr als eine Momentaufnahme ist. Mittlerweile haben wir mit Yodanna mehrere hunderte Pakete verteilen können und die Liste der Hilfsbedürftigen wird immer länger, denn auch die Situation auf Kuba wird von Tag zu Tag schlimmer. Zudem bekommt unsere Freundin Yodanna immer neue Listen mit Menschen, denen es an allem fehlt. Und nicht immer kommt die Hilfe pünktlich.


Vergangene Woche, als Yodanna mit ihrer Schwester und ihrer Tochter die zweite große Lieferung, die wir bestellt hatten, verteilte, stand sie unter Schock. Sie wollte einem alten Ehepaar, das die Ärztin auf die Liste gesetzt hatte, gerade die Essenlieferung bringen, als Nachbarn sie darauf ansprachen, dass das Ehepaar nur wenige Stunden zuvor verstorben war. Am gleichen Tag, beide wegen Unterernährung, wie Yodanna uns berichtete.





Um so mehr sind wir froh, dass wir auch noch die nächsten Wochen und Monate Essenslieferungen an Yodanna schicken können, die sie dann verteilt. Wie gesagt, dank der Spenden, die uns vollkommen überrascht und gerührt haben.


Jetzt hat uns aber etwas ganz anderes überrascht. Und gar nicht gerührt. Im Gegenteil: Wir sind absolut verärgert. Meine Hausbank in Deutschland, die ING, hat uns einen Brief geschrieben, in dem sie androht, Maßnahmen gegen uns zu ergreifen, wie beispielsweise die Sperrung des Kontos. Der Grund: „Mit diesem Schreiben informieren wir Sie, dass die ING-DiBa AG keine Geschäftsbeziehungen eingehen oder fortführen möchte, die bestimmte Länder und Regionen betreffen. Dies betrifft insbesondere Kuba, Iran, Nordkorea, Sudan, Syrien sowie die Region Krim.“ Und weiter: „Wird eine solche Einbindung bekannt, behält sich die ING-DiBa AG das Recht vor, jederzeit angemessene Maßnahmen zur Risikobegrenzung zu ergreifen.“ Abschließend heißt es noch: „Ebenso wenig dürfen Privatkonten als Sammelkonten im Interesse Dritter geführt werden.“



Wahrscheinlich hat die Bank Schiss, Ärger mit den USA zu bekommen, die die Finanzströme nach Kuba kürzlich noch stärker sanktioniert haben. Was ein Wahnsinn! Da die meisten Spenden den Verwendungszweck Kuba trugen, sind wir wahrscheinlich auf eine Art rote Liste gerückt. Ähnliches hatten wir bereits mit Paypal, da wurden wir auch gesperrt. Aber da dachte ich noch, na klar, ein US-Konzern. Dass aber selbst eine deutsche Bank wegen einer überschaubaren Spendenaktion einknickt, ist schon heftig. Und sehr schade für die vielen armen Kubaner.


Mittlerweile haben mich auch Spender angeschrieben, die sich wunderten, dass ihre Überweisung wieder zurück kam. Als Grund wurde angegeben: „Rückgabe aus geschäftspolitischen Gründen“. Seit dem 6. Juni ist eine weitere Möglichkeit gekappt worden, in Kuba an Geld zu kommen. Visa und Mastercard haben ihre Dienste auf Kuba eingestellt. Das heißt, Kartenzahlung ist nicht mehr möglich. Auch nicht in den Supermärkten, in denen man ausschließlich mit Karte in US-Dollar bezahlen musste. Uns betrifft das derzeit nur am Rande, da wir in den kommenden Tagen planen, Kuba zu verlassen. Während der letzten vier Monate haben wir aber viele Ausländer kennengelernt, die auf Kuba leben. Für sie wird es jetzt schwierig an ihr Geld zu kommen. Allein in Cienfuegos lebt eine kanadische Gemeinde von über 120 Leuten. Auch wir hatten kurz überlegt, die Hurrikansaison in Cienfuegos zu verbringen, den Gedanken dann aber wieder verworfen, als klar war, dass es keine Flüge mehr nach Europa gibt, um im Sommer den Familien daheim einen Besuch abzustatten. Wären wir geblieben, hätten auch wir jetzt ein massives Problem, um an Geld zu kommen.


Aber zurück zu unserer kleinen Spendenaktion. Da wir ungern unser kleines Projekt aufgeben möchten, auch wenn die Bürokratie uns Steine in den Weg legt, möchten wir darum bitten, etwaige Spenden an folgendes Konto zu überweisen, ohne aber im Verwendungszweck Kuba zu erwähnen. Schreibt gerne so etwas wie Reis oder Bohnen hinein. Oder eben gar nichts. Wir wissen schon, wie wir Überweisungen zuordnen können.


Aktuell funktioniert immer noch unser Weg, Yodanna Waren zukommen zu lassen, die sie dann verteilt.


Hier meine Bankverbindung bei Revolut:


Jens Brambusch

IBAN: LT62 3250 0490 4048 7124

BIC: REVOLT21 






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beim segeln 2.HEIC

Über mich

Jens Brambusch, Jahrgang 1972, ist studierter Islamwissenschaftler und arbeitete viele Jahre als Reporter  bei der Financial Times Deutschland (FTD) und dem Wirtschaftsmagazin Capital . Ausstieg 2018. Seitdem Buchautor und freier Journalist. Schreibt noch gelegentlich für Magazine wie Stern, Spiegel oder Capital, regelmäßig für das Wassersportmagazin Float. 

 

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